Beim R4 ist der Schweller ( von Tür-Schwelle ) etwas ungewöhnlich aufgebaut. Im Gegensatz zur üblichen Bauweise hat der sichtbare Einstieg in Wagenfarbe hat keine große tragende Funktion. Er hängt nur wie ein Vorhang über dem eigentlichen Träger der Bodengruppe ( gut zu sehen im ersten Bild ).
Dieser Längsträger wurde zur Verstärkung an den Enden vorne und hinten durch zusätzliche Bleche aufgedoppelt. Zwischen diese Blech kann Feuchtigkeit eindringen und Rost beginnt. Da dieser nicht zu erreichen ist, ist noch kein wirksames Mittel bekannt den Rostfraß an diesen Stellen zu stoppen. Irgendwann drückt der im Volumen größere Rost die Bleche auseinander, das Blech bekommt zwischen den schweißpunkten Beulen und in Folge reissen eine oder gleich alle Lagen.
Durch die verborgenen Lage ist man versucht zur Reparatur den lackierten Einstieg  hochzubiegen. Der Aufwand diese Beschädigung wieder unsichtbar zu machen ist riesig, da einem das Blech nicht den Gefallen tut sich in die alte Lage zurückbiegen zu lassen - hier wird eine Methode vorgestellt, wie dies vermieden werden kann.
Für Vorne ( blau ) und für Hinten ( rot )
 Schwellerende vorne richten
Auch bei Top gepflegten R4 kann diese klassische Roststelle irgendwann kommen. Deshalb Vorsicht beim ansetzen des Wagenhebers. !!!!
Zugänglich wird die Reparaturstelle indem man im Boden des Trägers ein Loch schneidet
( wenn das nicht schon wie in diesem Fall der Rost erledigt hat )
Der Träger hat eine zweite innere Wand - im Bild vorne leicht zu sehen. Zwischen beiden Wänden bleibt genug Platz für die Schweißdüse.
Das "Dach" des Trägers ist in den meißten Fällen noch stabil. Deshalb fertigt man einen Blechwinkel ( 1,5 mm Blech ) mit einer Aussparung für die Karosseriebefestigungsschraube und schweißt ihn oben fest. Wahlweise kann man den unteren Falz auch gleich an dem Blech erneuern oder wie hier anschließend mit dem alten Falz verschweißen
( dieser war hier noch gut ).
Als Reparaturblech oder zumindest als Muster kann man das vom hinteren Schwellerende abgetrennte Stück verwenden.  Zum Schluß bleibt nur, den Boden wieder zu verschließen wie im 2. Kapitel gezeigt.
 Schwellerende hinten richten
 
Der Klassiker bei allen Renault mit dieser Hinterachse (R4, R5, R6, R16)! Während es für R5 und R16 nichts gibt war der Reparatureinschub für R4 und R6 in den 70ern und 80ern der Bestseller, den sogar Renault in sein Ersatzteilprogramm aufgenommen hatte und der jetzt wieder aufgelegt wurde. (www.Reno4er.de)

Wenn sich also bei Ihrem R4 die Hinterachse anschickt, deutlich mitzulenken oder wenig vertrauenserweckende Geräusche zu machen ist nach dem Befund des gebrochenen äußeren Aufhängepunktes noch nicht alles verloren. Bereits deutliche Rostbeulen oder Löcher in den steheden Wänden lassen diese Reparatur ratsam erscheinen. Leider haben die Automechaniker das Schweißen verlernt, so muß man eventuell länger suchen bis man jemand findet der einem das macht wenn man sich nicht selbst traut.

Durch die mehrlagigen Bleche rostet diese Stelle irgendwann durch. Hohlraum-Rostschutz-Behandlungen sind hier deshalb weitgehend unwirksam. Etwas weniger sind diese Schäden bei den Jahrgängen 1983-1986 zu beobachten. Die reparierte Stelle ist danach aber dann nur noch Einlagig und hält ewig.

 
Nach Lösen und Herausnehmen der 3 Halteschrauben - Boden heraustrennen und abgebrochenes Schwellerende nach vorne unten herausschlagen. Hilfreiches Werkzeug: Nageleisen und Druckluftmeisel.

Lagerbock der Hinterachse prüfen. Bei zerbröseltem Gummi oder Durchrostung des Bodens (häufig bei Spätzeit R4 aus spanischer Produktion) Lagerbock erneuern. Dazu muß allerdings der Kotflügel abgebaut werden. (Nacher Austausch nur nach Ausbau der Achse möglich)

  
Den äußern Falz entfernen bis wieder stabiles Material erreicht ist
  
Meißt reicht nur ein Teilstück des Reparatureinschubes. Vor allem bei Fahrzeugen mit Gurtengewinden im Schweller muß dieses freigespart werden. Für diesen Reparaturfall war es vorteilhafter den rechtwinklig nach innen abgekantenten Winkel wieder zurückzubiegen.

Das Abgetrennte Stück kann gut zum Reparieren des vordern Schweller Ende benutzt werden ( siehe 1. Kapitel )

Das Ersatzteil gibt es z.B. bei den Reno4ern

 

   
Zum Verschweißen mit der stabilen Oberseite des Schwellers Löcher mit ca. 9 mm bohren
  
Den Einschub von Vorne einschieben. Hier hilft eine Großzügige Öffnung im Boden des Schwellers. Dazu muß das Fahrzeug auf den Rädern stehen und die Vorspannung im Gummilager des Lagerbocks durch hebeln mit dem Nageleisen o.ä. überwunden werden.
  
Nach einschieben der Schrauben wird das Hinterrad mittles Maurerschnur über das geradegestellte Vorderrad und Winkel ausgerichtet. Wagenheber dient zum Hochdrücken des Reparatureinschubes. Wagen sollte damit nicht angehoben sein sonst stimmen die Winkel nicht.
  
Vor dem Einschweißen sollten der Einschub auf der Mitte des Verstellbereichs liegen um nachher noch Korrekturen der Einstellung zu ermöglichen.
  
Verschweißt wird der Einschub von unten und durch die gebohrten Löcher. Zur Karosseriebefestigung wird eine Mutter M7 oder M8 nach Durchbohren  angepunktet.

(Bild leider etwas unscharf - als ich es merkte war der Schweller schon zu)

  
Auch von außen wird die Schwellerwand soweit vorhanden angeschweißt
  
Auf der Rückseite wird der Falz ebenfalls angeschweißt. Ist hier keine Substanz macht es Sinn das abgekantete Blech nicht zurückzubiegen sondern als Basis für eine Rekonstruktion zu nehmen.
  
Den Schweller mit einem selbstgefertigten Streifen oder Boden-Reparaturblech verschließen. Schrauben anziehen.
 
Perfektionisten werden einwenden, daß jetzt wieder doppelte Bleche zu finden sind. Deren Spalt ist aber viel größer als im Originalzustand, so daß Hohlraumkriechmittel durchaus wirksam sind. Die Erfahrung zeigt, daß so reparierte Aufhängungen nicht wieder stabiltiätsgefährdend rosten.

Einmal hatte ich einen Patienten, da riss der ganze Einschub wieder heraus, weil der Schweller und der Boden davor einfach weitergerostet ist. Solche Katastrophen-Exemplare haben aber kaum bis ins 21 Jahrhundert überlebt...

Der Arbeitsaufwand in diesem Beispiel betrug 0,5h für die Demontage des Bruchstückes und 2,5h für Einbau und Schweissen. Beim Ersten Mal sollte man etwas mehr Zeit einkalkulieren...

 
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©2007 Ingo Heitel , Stuttgart, Germany