Autogasanlage (Flüssiggas - LPG) eingebaut im R4
Einbauanleitung und Erfahrungsbericht zur Verfügung gestellt von Benedikt von Fürstenberg
 
Stetig steigende Benzinpreise und ein drückendes Umweltgewissen lassen den Einbau einer Autogasanlage sinnvoll erscheinen. 

Tatsächlich ist der Gaspreis bei etwa der Hälfte! des Benzinpreises und die Verbrennung ist viel sauberer und leiser. Bei 100% Gasbetrieb ist sogar eine Einstufung als Schadstoffarm denkbar.
Wenn man seinen R4 noch lange fahren will und nicht nur gelegentlich bewegt, kann sich die Gasanlage lohnen.

Hier ein Bericht wie ein solcher Einbau in Eigenregie durchgeführt wurde:

 

Der Verdampfer (über dem Luftfilter )


Der Tank anstatt des Reserverades


Der Tankanschluß versteckt unter der hinteren Stoßstange


Der Umschalter von Gas auf Benzinbetrieb


Ventile und Schlauchleitungen

Benedikt von Fürstenberg:
Meine Gasgeschichte

Der Tank ist ein STAKO-Tank (www.stako.pl), der aber recht selten zu bekommen ist. STAKO liefert auch an BRC (www.brc.com) und über die habe ich binnen 3 Tagen den Tank aus Italien über die Generalvertretung von BRC in Deutschland bei der Fa. Melber, Althengstedt(info@gasdrive.com)
bekommen. Das Multiventil dazu ist auch von BRC.

Tankhöhe 200 mm, Durchmesser 580 mm, ausgefüllt toroidal, Inhalt 45 Liter (42 konnte ich schon tanken!).
  • Tank "BRC Art.-Nr. 27TE00580039 Ringtank 0°"
  • Ventil "BRC Art.-Nr. 10MV32003200 MV Europa Ringtank 200, 204, 0°
  • beides zus. 278 Euro im Sept 2004
Der Tank wird hängend durch vier Schrauben befestigt. Die Tank-Zul.-Nr. lautet E20 67R 010 452, die des Ventils E13 67R01 0004.

Ein größerer Tank geht absolut nicht, dieser Tank ist wie für den R4 gemacht: ringsum 1...2 cm Luft und Bodenfreiheit nicht beeinträchtigt
(obwohl etwas höher als das Res.-rad).

Das A und O einer Gasanlage ist der Verdampfer und die Düse/Injektor. Ich
war wirklich gut beraten und haben einen OMVL-Verdampfer empfohlen bekommen.
Im nachhinein habe ich dann auch von anderen Seiten nur viel Lob über ihn gehört. (www.omvlgas.it) Er hat den Code K901511, Type R90/E und die Zul.-Nr. E 8 67R 011618
(in meinen Papieren hat der TÜV die Serien-Nr. 0289514 aus Versehen eingetragen).
Ich kann ihne wärmstens empfehlen: genau so schnelles ansprechen wie mit Benzin!

Ein kleines Malheur hatte ich vielleicht bei den erste 50 km mit einem nicht ganz dichtenden Benzin-Magnetventil (der Fehler ist gar nicht leicht zu finden, wenn der Motor Gas und manchmal obendrein noch Benzin bekommt!). Es war eine italienische Messingausführung, jetzt habe ich eine holländische Kunststoffausführung die dichtet.(Groot Motorgas Systemen) Das Gasventil mit Filter ist wieder von OMVL (E-Type, E8 67R 011619).

Am Armaturenbrett habe ich den Schalter mit Tankinhaltsanzeige (rot=Res, 4 grüne für voll, 3/4, 1/2, 1/4, ) von Emmegas (www.sirio.com/emmegas,
emmegas@sirio.com) eingebaut. Er benötigt keine weiteren Relais zur Steuerung der vier Magnetventile (eines am Tank, eines am
Verdampfer(angebaut), eines als Hauptventil vor dem Verdampfer und eines zum Benzin absperren.
Dieser Schalter ermöglicht es beim Zündung einschalten, daß für eine einstellbare Zeit schon Gas strömt: das erleichtert das starten v. a.
bei Kälte., wie vorglühen. Es schaltet auch automatisch nach genau dieser Zeit das Gas ab, wenn der Motor nicht läuft (abgewürgt oder Unfall oder so). 1 = Benzin , 0 = nix, 2 = Gas. Die Betriebsart wird durch Leuchtdioden
angezeigt (grün= Gas, rot = Benzin, nix=nix). Ich glaube, daß viele Schalter anderer
Hersteller genau das gleich machen.

Wenn man den 28IF Vergaser behalten will, dann gibt es evtl. nur Venturi-Düsen zum oben einbauen. Ich habe von einem 1100er R5 den
Ansaugkrümmer und einen Solex-32 DIS Vergaser verwendet (ähnliche auch in älteren R4
oder v. a. auch im R6). Und dafür gibt es die sehr guten Ring-Düsen-Aufsätze.
Ich kenne keinen Vergleich, mein System kann ich nur empfehelen.
Ich hatte bei mir original den ganz hohen
Luftfilter, der hat dann nur einige mm Abstand zur Motorhaube - mit dem zum Vergaser gehörigen R5-Luftfilter ist alles optimal.
Tartarini (www.tartarini.it) hat unter der Best.-Nr. MC 1800 diese Düse. Tartarini hat bestimmt auch welche für den 28 IF-Vergaser.

So - nun fehlen noch T-Stücke nebst Schläuchen zum abzwacken der
Kühlwasserleitungen zum beheizen des Verdampfers und ein Stück Gasschlauch
zum verbinden Verdamppfer-Düse. Gasschläuche sind spezielle Schläuche
und mit LPG-GPL und E-Nr.gekennzeichnet (TÜV!!!). Die Flüssiggasleitungen vom Tank zum Verdampfer sind auch speziell und
gekennzeichnet.

Als Tankstutzen kann ich sehr das Italienische/französische/polnische
etc. "Dish"-System empfehlen, da es wirklich beim Tanken sehr viel einfacher ist.
Viele deutsche Tankstellen haben das auch - ansonsten für das deutsche System, bei dem man eh schrauben muß, eben noch einen Adapter aufschrauben (alles im Tartarini-Katalog zu sehen- ebenso im "Marini"-Katalog
(www.mariniautogas.com).

Getankt wird Autogas - ein Propan/Butan Gemisch welches auch in Gasflaschen für Camping und Küche enthalten ist:
Für mehr oder wenig kriminelle kann man auch leicht preiswerte Handpumpen etc. kaufen, die von einem Haustank (ab 200 l) oder Transportfässer (100 l und 200 l) das Betanken ermöglichen. Der Preis des Heizgases liegt dann, weil ohne Mineralölsteuer bei 30...40 Cent/l. Heizgas ist nicht anders und nicht
eingefärbt wie versteuertes Treibgas.

Nicht tanken kann man Erdgas ( CNG ):
Erdgas (vorw. Methan) ist zwar pro km 20% günstiger, aber das Auto ist damit ziemlich schlapp, die Reichweite ist gering und die Tanks nehmen sehr viel Platz ein (viele Druckgasflaschen nebeneinander, bis 200 bar komprimiertes Gas, nicht verflüssigt, Tank sehr schnell alle).

Ich komme maximal 450 km weit. In Frankreich ist v. a. im Sommer der Butan-Anteil sehr hoch, was sich in der Leistung, die dann fast mehr
als bei Benzin ist, und bei der Reichweite bemerkbar macht. Bei uns im Winter
ist es manchmal 100% Propan (ein C-Atom weniger!), was aber auch nicht sooo
schlimm ist. (Propan bleibt bei niedrigen Temperaturen flüssig).

Ein Nachteil fällt mir bei Gasbetrieb dann doch ein: Im Winter bei Dauer-Vollgas auf der Autobahn gibt die Heizung weniger Wärme ab. Ich hatte schon vorher immer eine Standheizung (Truma, natürlich mit Gas! in kleiner 1
l-Handwerkerflasche zum selbst befüllen) in meinen Autos, die ich dann zusätzlich laufen lasse.

Gastankstellen gibt es jetzt immer mehr! Und ich war dumm, daß ich den Umbau nicht viel früher gemacht habe!

Offiziell darf nur ein ausgebildeter Fachmann den Umbau machen. Aber die Umbauer (die auch wie Pilze aus dem Boden schießen) sind oftmals überlastet.
Wenn sie etwas bei der Bestellung der Teile verdienen und vielleicht auch eine Tankstelle betreiben kann man mit einigen reden, daß sie die Aufsicht haben und man selbst die Hardware baut. Dichtigkeitsprüfung wieder mit Spürgerät 20 Sekunden beim Fachmann. Na ja...man will ja auch was .

Ich beantworte gerne auch weitere Fragen.

Viele Grüße
Benedikt

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©2007 Ingo Heitel , Stuttgart, Germany